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 Ganzschrift

Hinweise: Ganzschriften im Fach Sozialwissenschaften/Sozialkunde der Gymnasialen Oberstufe

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Die nunmehr auch in Nordrhein-Westfalen überarbeiteten Lehrpläne für die Gymnasiale Oberstufe sehen in allen Fächern entsprechend den Vereinbarungen in der Kultusministerkonferenz die Empfehlung vor, die Lektüre einer Ganzschrift in den Fachunterricht einzubeziehen. Dazu macht der nordrhein-westfälische Lehrplan Sozialwissenschaften - ähnlich wie andere Fächer - folgende Ausführungen:

"Der Umgang mit Theorien muss im Verlauf der gymnasialen Oberstufe zunehmend komplexer und souveräner werden.

In diesem Zusammenhang ist es wünschenswert, dass die Schülerinnen und Schüler im Unterricht eine Ganzschrift lesen, sofern es sich um eine konsistente oder geschlossene Abhandlung eines Teilbereichs handelt. Die Bedeutung des Wechsels von intensivem und kursorischem Lesen und die Funktion eines Apparats (Inhaltsverzeichnis, Glossar, Bibliographie) sollten erkannt werden. Besonders wichtig ist die Behandlung einer Ganzschrift hinsichtlich der Methode des Umgangs mit Theorien, aber auch die Autonomie der Schülerinnen und Schüler wird hierdurch gestärkt, da sie nunmehr als Leser ernst genommen werden und nicht nur eine von den Lehrerinnen und Lehrer erstellte Zusammenstellung von Textauszügen erhalten." (Lehrplan SoWi, Entwurf vom 15. August 1998, S. 27)

So wird die Lektüre einer Ganzschrift in den Kontext der Auseinandersetzung mit Theorien und des wissenschaftspropädeutischen und eigenverantwortlichen Lernens gestellt. Diese Positionsbestimmung bedeutet, dass die Lektüre einer Ganzschrift aus dem Bereich der fiktionalen Literatur in aller Regel nicht in Frage kommt. Dieser Bereich wird den Sprachen überlassen, was einen Sinn macht. Ansonsten ergeben sich weitere Konsequenzen für die Auswahl entsprechender Werke:

    - Die Schrift muss geeignet sein, in die fachbezogene wissenschaftliche Argumentation einzuführen oder einen Teilbereich zu erschließen. Dazu muss es im Werk deutlich werden, dass es in einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung steht.

    - Das Buch muss eine möglichst konsistente und geschlossene Abhandlung darstellen. Eine Aufsatzsammlung wird in der Regel diese Anforderung nicht erfüllen.

    - Im Hinblick auf die Einübung des Verfahrens des wissenschaftlichen Arbeitens muss die Schrift die Methoden wissenschaftlichen Argumentierens aufweisen, z. B. Anmerkungen enthalten, den Bezug zu Referenzstellen bieten usw.

    - Das Buch muss es ermöglichen, die Funktion eines Apparats zu erarbeiten. Dazu muss sie in der Regel einen Apparat aufweisen.

Wenn - wie dieser Beitrag es versucht - Empfehlungen zu in Frage kommenden Büchern gegeben werden sollen, so müssen aus der Schulpraxis heraus weitere Anforderungen an ein entsprechendes Werk gestellt werden:

    - Das Buch muss es ermöglichen, einen Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herzustellen. Sie haben ohnehin im Verlauf der Oberstufe besonders in den Sprachen einen mehr oder minder großen Lektürekanon zu bewältigen. Ohne Motivation ist Ganzschriftlektüre eine Quälerei.

    - Damit zusammenhängend ist es klar, dass der Text vom Umfang her zu bewältigen sein muss. Kompendien schrecken ab und sind auch nicht sinnvoll in den Unterricht zu integrieren.

    - Das Werk muss sich auf einen für die Schülerinnen und Schüler, besonders im Hinblick auf den Unterricht bedeutsamen Sachverhalt beziehen. Es muss sich nicht immer um einen "Klassiker" handeln, der gelesen wird, jedoch schließt es sich aus, abwegige Elaborate gemeinsam zu lesen, die keinen Bezug zu dem Gelernten herstellen lassen.

    - Aus Gründen der Zeitökonomie besonders im Grundkursbereich ist es dringend erforderlich, dass sich mit der Ganzschriftlektüre Teile des Lehrplans erfüllen lassen. Dies birgt die Gefahr, aus der Ganzschrift einen Lehrbuchersatz zu machen. Ganzschriften könne aber immer nur ergänzenden Charakter zu eingeführten und genehmigten Lehrbüchern haben.

    - Als Ergänzung zu den Lehrbüchern muss die Ganzschrift für die Schülerinnen und Schüler bzw. ihre Eltern bezahlbar sein. Bücher über 30 DM schließen sich daher von vornherein aus; Bücher und Schriften, die über die Bundeszentrale für politische Bildung in Kursstärke gratis zu erhalten sind, haben die größten Vorteile in dieser Hinsicht.

    -Schließlich muss die Schrift auch in sprachlicher Hinsicht für Schülerinnen und Schüler zu bewältigen sein. "Fachchinesisch" schreckt die meisten ab.

Diese benannten Kriterien sollen zur Einordnung von in Frage kommenden Ganzschriften dienen. Bücher, die gegen einzelne dieser Kriterien krass verstoßen, z. B. über dem Bezahlbarkeitslimit liegen, sind in die Besprechung nicht aufgenommen. Die benannten zehn Kriterien werden in Kurzform am Ende jeder Vorstellung zu einem kurzen Ranking benutzt. Ein "Gesamturteil" kann dabei nur einen schwachen Hinweis auf die Eignung geben, denn entsprechend dem differenzierten Kriterienkatalog und entsprechend der aktuellen Kurssituation werden manche Kriterien als wichtiger zu betrachten sein als andere.

Zu jedem Werk werden die bibliografischen Angaben geboten, eine kurze Einordnung und Würdigung, eine Übersicht über die behandelten Themen, eine knappe Darlegung des Lehrplanbezugs sowie die summarische Wertung.

Die Liste der besprochenen Werke muss unvollständig bleiben. Es sollen aber zu allen Bereichen des Faches Beispiele aufgezeigt werden.

Der Lehrplanbezug wird schwerpunktmäßig am Lehrplan Sozialwissenschaften Nordrhein-Westfalen festgemacht, der sechs "Inhaltsfelder" aufweist:

 

Inhaltsfeld I: Marktwirtschaft: Produktion, Konsum und Verteilung

Inhaltsfeld II: Individuum, Gruppen und Institutionen

Inhaltsfeld III: Politische Strukturen und Prozesse in Deutschland

Inhaltsfeld IV: Wirtschaftspolitik

Inhaltsfeld V: Gesellschaftsstrukturen und sozialer Wandel

Inhaltsfeld VI: Globale politische Strukturen und Prozesse

 

Besprochene Ganzschriften:

Dahrendorf, Homo sociologicus

Dröge/Krämer-Badoni, Die Kneipe. Zur Soziologie einer Kulturform oder "Zwei Halbe auf mich"

Elias, Was ist Soziologie?

Forrester, Der Terror der Ökonomie

Fourcans, Die Welt der Wirtschaft

Fromm, Haben oder Sein

Goebel/Clermont, Die Tugend der Orientierungslosigkeit

Gruppe von Lissabon, Grenzen des Wettbewerbs.

Hunziker, Medien, Kommunikation und Gesellschaft

Jenner, Die arbeitslose Gesellschaft.

Laszlo, das dritte Jahrtausend

Menzel, Globalisierung versus Fragmentierung.

Müller/Hennicke, Wohlstand durch Vermeiden.

Ritzer, Die McDonaldisierung der Gesellschaft.

Rousseau, Gesellschaftsvertrag

Scheuch, Cliquen, Klüngel und Karrieren

Weber: Politk als Beruf

 

Bitte teilen Sie mir Ihre Erfahrungen mit:

 

zuletzt geändert: 30.10.1999                                        Hauptseite

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